Musikalisches Kopf-Kino
SIEGEN Die Gala der Filmmusik begeisterte im Apollo-Theater gleich zweimal
Eine Weltreise durch die endlose Weite der Soundtracks bot die Philharmonie Südwestfalen am Wochenende.
ba „Ohne Musik gibt es keinen Film“,
behauptet der Chefdirigent der Philharmonie
Südwestfalen, Russell N. Harris,
selbstbewusst. Und recht hat er! Was wäre
der Untergang der Titanic oder der dramatische
Angriff des Weißen Hais ohne entsprechende
musikalische Untermalung?
Reichen doch oftmals schon einige wenige
bekannte Takte, um das Kino in unserem
Kopf zu starten.
So ließ auch die „Gala der Filmmusik“,
die Freitag- und Samstagabend von der
Philharmonie Südwestfalen präsentiert
wurde (Wiederholungstermin: 15. Februar),
einen ganz besonderen „Kinoabend“
erwarten – einen Abend ohne reale
Leinwand, der dennoch eine Reise durch
unterschiedlichste Zeiten und Filme versprach.
Die Erwartungen waren hoch, und
die zahlreichen Zuschauer im voll besetzten
Apollo-Theater wurden absolut nicht
enttäuscht.
Nach einem standesgemäßen Beginn
der sinfonischen Reise mit der von Alexander
Reuber arrangierten Universal-Pictures-
Fanfare durchlebten die Zuhörer dramatische
Szenen beim Angriff des „Weißen
Hais“, schwangen sich mit der „Piratenbraut“
durch die Lüfte und versanken
schließlich mit der „Titanic“ im Ozean.
Auch wenn, wie Russell N. Harris bedauernd
feststellte, Leonardo di Caprio nicht
anwesend sein konnte, entschädigte die
von James Horner komponierte und von
der Philharmonie beeindruckend vorgetragene
Musik durchaus.
Doch was wäre eine Reise durch die
Filmgeschichte ohne einen Ausflug in den
staubigen Westen Amerikas? Charles
Bronson – als undurchsichtiger Fremder
mit der Mundharmonika in Sergio Leones
Italo-Western „Once Upon A Time In The
West“ (Spiel mir das Lied vom Tod) – war
und ist zwar Kult, aber die Philharmonie
braucht ihn nicht, wie Russell N. Harris
schmunzelnd verkündete. Denn sie hatte
mit Dale King ihren eigenen Charles Bronson
auf der Bühne, der die von Ennio Morricone
komponierte Italo-Western-Hymne
gefühlvoll seiner Mundharmonika entlockte
und das Publikum nachhaltig begeisterte.
So vielfältig wie die Themen der Filme
und Serien, so lang ist auch die Liste der
Filmkomponisten. Einer durfte dabei natürlich
nicht fehlen – Henry Mancini! Der
bekannte US-Amerikaner komponierte
für zahllose Filme unvergessliche Melodien.
Gleichgültig, ob der rosarote Panther
über die Leinwand schleicht, oder die kleinen
Dickhäuter beim „Baby Elephant
Walk“ in „Hatari!“ durch die Wüste zum
Wasserloch stapfen – Mancini hat diese
Film-Szenen durch seine Musik unvergesslich
gemacht. Mit „A Tribute To Henry
Mancini“ erinnerten die Musiker der Philharmonie
an einen großartigen Komponisten
und riefen einige seiner besten Stücke
in Erinnerung. Es war unübersehbar, dass
es ihnen Freude machte, ihr musikalisches
Repertoire zu präsentieren, und diese Begeisterung
übertrug sich auch auf das Publikum.
Entsprechend hartnäckig wurden zum
Abschluss der Gala mit langanhaltendem
Applaus und stehenden Ovationen zwei
Zugaben eingefordert. So führte der musikalische
Weg noch einmal zurück aufs
Meer, und Jack Sparrow, der „Pirate Of
The Caribbean“, wurde musikalisch auf
unsere gedankliche Leinwand gezaubert.
Ein gelungener Abschluss des Abends, bei
dem für jeden musikalisch etwas dabei war
und der definitiv bestätigt hat, dass es
wirklich keinen Film ohne Musik geben
sollte.